Jana Walther

Wie eine automatisierte Messkabine die Notaufnahme entlastet

Eine Messkabine erfasst am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel automatisch die Vitalwerte von Patientinnen und Patienten. Kann Technik so für Entlastung in der Notaufnahme sorgen?

Wer zu Fuß in die Interdisziplinäre Notaufnahme des UKSH am Campus Kiel kommt, bleibt oft kurz stehen: Neben der Anmeldung steht eine helle Kabine mit Bildschirm. Auf den ersten Blick erinnert sie an eine Fotobox, wie man sie von Hochzeitsfeiern kennt. Doch in dieser Kabine entstehen keine lustigen Schnappschüsse, sondern sie erfasst Gesundheitsdaten.

Automatischer Check in wenigen Minuten

Patientinnen und Patienten, die kein offensichtlicher Notfall sind und stabil wirken, werden vom geschulten Personal bei der Anmeldung auf die Messkabine hingewiesen. Sie betreten die Kabine, wählen zunächst ihre Sprache aus und folgen dann den Anweisungen auf dem Display. Einen Arm in die Manschette, Finger in den Sensor, einmal ruhig atmen: So werden Blutdruck, Puls, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Temperatur und Gewicht vollautomatisch erfasst. Der Check dauert nur wenige Minuten und läuft vollständig automatisiert ab.

Eine bundesweite Premiere in der Notaufnahme

Die Messkabine ist ein Pilotprojekt mit bundesweiter Strahlkraft. Als erste Notaufnahme in Deutschland testet das UKSH am Campus Kiel den Einsatz der sogenannten eHealth Station des Herstellers MedicubeX direkt in den Abläufen der Akutversorgung. Das Gerät soll einen Teil der Routinearbeit übernehmen und damit dem Personal mehr Zeit für das Wesentliche verschaffen.

Rund 140 Patientinnen und Patienten kommen täglich in die Kieler Notaufnahme, berichtet Dr. Domagoj Schunk, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme. Wer etwa zu Fuß kommt, könne die Kabine potenziell nutzen. Das treffe erfahrungsgemäß auf die Hälfte der Notfallpatientinnen und -patienten zu.“ Dabei könne das neue Gerät pro Nutzung rund fünf Minuten an Zeitersparnis bringen. Was zunächst nach wenig klingt, summiert sich über den Tag schnell.

Dr. Domagoj Schunk, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des UKSH am Campus Kiel

Mehr Zeit für Patientinnen und Patienten

Für Schunk sei aber nicht allein die Zahl entscheidend. Normalerweise legt eine Pflegekraft Blutdruckmanschette und Sensoren selbst an, erfasst die Werte und überträgt sie teilweise anschließend noch in den Computer. Übernimmt die Kabine diese standardisierten Schritte, kann sich die Pflegekraft noch besser auf den Menschen konzentrieren. „Wir können uns so mehr auf die Geschichte des Patienten sowie auf die Anamnese fokussieren und eigentlich sofort auf die Probleme oder Beschwerden eingehen“, so Schunk. Das könne auch die Patientensicherheit erhöhen, weil die Aufmerksamkeit weniger durch technische Handgriffe gebunden sei.

Hinzu kommt die digitale Übermittlung: Die Messwerte landen automatisch im Krankenhausinformationssystem und werden der jeweiligen Patientin oder dem Patienten zugeordnet.

Wer darf in die Kabine?

Die neue Messtation eignet sich natürlich nicht für alle Patientinnen und Patienten. Wer beispielsweise mit Kopfschmerzen, leichter Übelkeit oder Schwindel selbstständig in die Notaufnahme kommt und stabil wirkt, kann seine Werte dort erheben lassen. Bei starken Brustschmerzen oder einem sichtbar schlechten Allgemeinzustand sieht das anders aus. Die medizinische Verantwortung bleibt damit beim Personal. Schon bei der Anmeldung schaut das Personal, wer die Kabine nutzen kann. Nachdem die Kabine die ersten Vitalwerte erfasst hat, entscheidet final die Notfallpflege, wie die weitere Behandlung der Patientinnen und Patienten erfolgt.

„Die Messkabine kann und soll nur ein Baustein in der Notfallversorgung sein“, betont Schunk. Zukünftig könnten auch KI-basierte Assistenzsysteme und Telemedizin dabei helfen, Abläufe zu vereinfachen und das Personal zu entlasten. Am UKSH werden bereits weitere Ansätze auch am Standort in Lübeck erprobt. Entscheidend sei für den Notfallmediziner aber immer, dass neue Technologien im Klinikalltag einen konkreten Nutzen bringen. Die unscheinbare Kabine neben der Anmeldung macht vor, wie das aussehen kann.



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Notarzt Christiane Haun-Anderle Christiane Haun-Anderle
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