Tamara Stöber

Ein Besuch beim TK-Accelerator

Start-ups und Gesundheitswesen – zwei Welten treffen aufeinander: Am ersten großen Workshop-Tag des TK-Accelerator-Programmshatten die drei Start-ups „Don’t Be Afraid VR“, „Mecuris“ und „neolexon“ die Gelegenheit, mit Mentoren und zwei Vorständen der TK ins Gespräch zu kommen. Mit dabei war unsere Praktikantin Tamara.

Es ist Donnerstag, der 7. September, und Tag 38 von 100 im TK-Accelerator. Über dem Philips-Campus in Hamburg Fuhlsbüttel hängt eine schwere, graue Wolkendecke, die das Industriegebäude recht unscheinbar wirken lässt. Hier sollen also Start-ups tüfteln und kreative Ideen sprießen?
Erst, als wir im zweiten Stock aus dem Fahrstuhl steigen und die Räumlichkeiten des Health Innovation Port (HIP) betreten, bin ich überzeugt, an der richtigen Adresse gelandet zu sein. Plötzlich ist alles hell und bunt, mir kommt Kaffeeduft entgegen und in den Sitzecken stecken kleine Gruppen ihre Köpfe zusammen. Am Eingang heißt es dann erst einmal Namensschilder beschriften – nur mit Vornamen natürlich, denn hier duzen sich alle.

„Ich war in der Sauna, um runterzukommen“

Schon bevor der Workshop offiziell startet, werden die jungen Gründer von ihren Mentoren und den anderen Veranstaltungsteilnehmern umringt. Felix Scholz von „Don’t Be Afraid VR“ gesteht im Interview: „Ich bin aufgeregt ohne Ende. Ich war gestern extra noch in der Sauna, um runterzukommen, aber das hat auch nichts gebracht.“
Kein Wunder, denn heute steht für die Gründer einiges auf dem Programm: Workshops, Pitch, Diskussionsrunde und Treffen mit dem TK-Vorstandschef Dr. Jens Baas und dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Thomas Ballast.

Vor dem Treffen mit den beiden Vorständen ist Felix aber nicht mehr so nervös: „In der letzten Zeit haben wir viele Chefs von großen Unternehmen getroffen. Irgendwann merkt man, dass das auch nur Menschen sind, die von bestimmten Themen Ahnung haben, von anderen weniger und in ihrer Freizeit das Gleiche machen wie wir auch.“ TK-Chef Baas interessiert sich zum Beispiel sehr für digitale Produkte und die Technik dahinter. Im Gespräch mit den beiden Gründern von „Don’t Be Afraid VR“ fachsimpelt er erst einmal über die Virtual Reality-Brillen, die die beiden in ihrer virtuellen Angsttherapie einsetzen.

In der Ideen-Werkstatt

In zweistündigen Workshops haben die Start-ups Zeit, sich mit ihren Mentoren über ihre Fortschritte seit dem OnBoarding-Tag am 7. August auszutauschen und die nächsten Schritte zu besprechen. „Von unseren Paten erhoffe ich mir, dass sie ihre Ideen mit einbringen und uns zeigen, was wir noch verbessern können“, so Veronika Auer, die gerade bei „Mecuris“ ihre Masterarbeit schreibt.
„neolexon“-Mitgründerin Mona Späth sieht es ähnlich: „Als Start-up ist man manchmal ein bisschen naiv und schaut nur, was die Patienten wollen, denkt dabei aber wenig über die Regeln nach, die es auf dem Gesundheitsmarkt gibt. Deshalb ist das Coaching so wichtig, damit wir einen Blick für die Realität bekommen und gemeinsam mit unseren Mentoren Innovationen entwickeln können.“

Vorstand meets Start-ups

Aber nicht nur von den Mentoren gibt es an diesem Tag hilfreiche Ratschläge, sondern auch vom TK-Vorstand. „Wichtig für uns als Krankenkasse ist natürlich auch, dass am Ende ein Produkt steht, dessen Wirksamkeit man nachweisen kann. Denn erst mit der Zulassung kann etwas vom Arzt verschrieben und von der Kasse erstattet werden“, erklärt Baas. Bis dahin müssen die Start-ups mit ihren Ideen noch einige Etappen meistern, aber dafür ist der TK-Accelerator ja auch gedacht.

„Krankenkassen und Start-ups können viel voneinander lernen: Die TK will digitaler Marktführer sein, da kommt sie um die schnellen und dynamischen Start-ups nicht herum. Die Start-ups dagegen wollen schnellen Erfolg und brauchen dabei die Erfahrung der Krankenkassen.“

Thomas Ballast

Nach der Mittagspause wird erstmal „gepitcht“. Innerhalb von jeweils zehn Minuten präsentieren die drei Gründerteams nacheinander, was sie in den Workshops erreicht haben und in welche Richtung es weitergehen soll. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, wie unterschiedlich die einzelnen Start-ups im Hinblick auf ihre Produkte und den Stand ihrer Entwicklungen sind. Ein gemeinsames Rezept für alle gibt es deshalb nicht. Gefragt sind ganz individuelle Lösungen.

Vom HIP zum Innovations-Ökosystem

In der anschließenden Diskussionsrunde wird unter anderem darüber gesprochen, was der TK-Accelerator eigentlich bringt. Hier sind sich die Teilnehmer einig: Sie wollen ein Netzwerk bilden, von dem sowohl die Start-ups als auch die TK profitieren, in dem sie voneinander und miteinander lernen.

„Wir sind ein großes Ökosystem“, bringt es Organisatorin Ronja Kanitz aus dem TK-Versorgungsmanagement auf den Punkt. Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der TK, Thomas Ballast, stimmt damit überein: „Krankenkassen und Start-ups können viel voneinander lernen: Die TK will digitaler Marktführer sein, da kommt sie um die schnellen und dynamischen Start-ups nicht herum. Die Start-ups dagegen wollen schnellen Erfolg und brauchen dabei die Erfahrung der Krankenkassen.“

Mit diesen Worten geht ein spannender und aufregender Tag zu Ende. Ich verabschiede mich im HIP und fahre zurück nach Hause, mit den Gedanken noch bei den Start-ups. Auch wenn ihr Arbeitsalltag sicher nicht immer so bunt ist wie heute, finde ich es doch ziemlich beeindruckend, wie ihre kreativen Ideen zustande kommen und sich ihre Produkte weiterentwickeln. Eine eigene Idee müsste man haben…


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