Alle Artikel > Wo Ideen zu Versorgungsprodukten werden: Ein Besuch beim TK-Accelerator

Wo Ideen zu Versorgungsprodukten werden: Ein Besuch beim TK-Accelerator

14.09.2017

von Tamara Stöber

Start-ups und Gesundheitswesen – zwei Welten treffen aufeinander: Am ersten großen Workshop-Tag des TK-Accelerator-Programms im Health Innovation Port in Hamburg hatten die drei Start-ups „Don’t Be Afraid VR“, „Mecuris“ und „neolexon“ die Gelegenheit, mit ihren Mentoren und zwei Vorständen der Techniker Krankenkasse ins Gespräch zu kommen. Mit dabei war unsere Praktikantin Tamara, die an diesem Tag zum ersten Mal in die Start-up-Welt eingetaucht ist und hier von ihren Eindrücken berichtet.

Es ist Donnerstag, der 7. September, und Tag 38 von 100 im TK-Accelerator. Über dem Philips-Campus in Hamburg Fuhlsbüttel hängt eine schwere, graue Wolkendecke, die das Industriegebäude recht unscheinbar wirken lässt. Hier sollen also Start-ups tüfteln und kreative Ideen sprießen? Erst, als wir im zweiten Stock aus dem Fahrstuhl steigen und die Räumlichkeiten des Health Innovation Port (HIP) betreten, bin ich überzeugt, an der richtigen Adresse gelandet zu sein. Plötzlich ist alles hell und bunt, mir kommt Kaffeeduft entgegen und in den Sitzecken stecken kleine Gruppen ihre Köpfe zusammen. Am Eingang heißt es dann erst einmal Namensschilder beschriften – nur mit Vornamen natürlich, denn hier duzen sich alle.

Im Gespräch (v.l.): Mentor Andreas Bündert mit Wolf-Peter Werner, Felix Gundlack und Veronika Auer von „Mecuris“.

 

„Ich war in der Sauna, um runterzukommen“

Schon bevor der Workshop offiziell startet, werden die jungen Gründer von ihren Mentoren und den anderen Veranstaltungsteilnehmern umringt. Felix Scholz von „Don’t Be Afraid VR“ gesteht im Interview: „Ich bin aufgeregt ohne Ende. Ich war gestern extra noch in der Sauna, um runterzukommen, aber das hat auch nichts gebracht.“ Kein Wunder, denn heute steht für die Gründer einiges auf dem Programm: Workshops, Pitch, Diskussionsrunde und Treffen mit dem TK-Vorstandschef Dr. Jens Baas und dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Thomas Ballast.

Vor dem Treffen mit den beiden Vorständen ist Felix aber nicht mehr so nervös: „In der letzten Zeit haben wir viele Chefs von großen Unternehmen getroffen. Irgendwann merkt man, dass das auch nur Menschen sind, die von bestimmten Themen Ahnung haben, von anderen weniger und in ihrer Freizeit das Gleiche machen wie wir auch.“ TK-Chef Baas interessiert sich zum Beispiel sehr für digitale Produkte und die Technik dahinter. Im Gespräch mit den beiden Gründern von „Don’t Be Afraid VR“ fachsimpelt er erst einmal über die Virtual Reality-Brillen, die die beiden in ihrer virtuellen Angsttherapie einsetzen.

In der Ideen-Werkstatt

In zweistündigen Workshops haben die Start-ups Zeit, sich mit ihren Mentoren über ihre Fortschritte seit dem OnBoarding-Tag am 7. August auszutauschen und die nächsten Schritte zu besprechen. „Von unseren Paten erhoffe ich mir, dass sie ihre Ideen mit einbringen und uns zeigen, was wir noch verbessern können“, so Veronika Auer, die gerade bei „Mecuris“ ihre Masterarbeit schreibt. „neolexon“-Mitgründerin Mona Späth sieht es ähnlich:

„Als Start-up ist man manchmal ein bisschen naiv und schaut nur, was die Patienten wollen, denkt dabei aber wenig über die Regeln nach, die es auf dem Gesundheitsmarkt gibt. Deshalb ist das Coaching so wichtig, damit wir einen Blick für die Realität bekommen und gemeinsam mit unseren Mentoren Innovationen entwickeln können.“

Hanna Jakob von „neolexon“ im Workshop.

Vorstand meets Start-ups

Aber nicht nur von den Mentoren gibt es an diesem Tag hilfreiche Ratschläge, sondern auch vom TK-Vorstand. „Wichtig für uns als Krankenkasse ist natürlich auch, dass am Ende ein Produkt steht, dessen Wirksamkeit man nachweisen kann, denn erst mit der Zulassung kann etwas vom Arzt verschrieben und von der Kasse erstattet werden“, erklärt Baas. Bis dahin müssen die Start-ups mit ihren Ideen noch einige Etappen meistern, aber dafür ist der TK-Accelerator ja auch gedacht.

Nach der Mittagspause wird erstmal „gepitcht“. Innerhalb von jeweils zehn Minuten präsentieren die drei Gründerteams nacheinander, was sie in den Workshops erreicht haben und in welche Richtung es weitergehen soll. Spätestens an dieser Stelle wird deutlich, wie unterschiedlich die einzelnen Start-ups im Hinblick auf ihre Produkte und den Stand ihrer Entwicklungen sind. Ein gemeinsames Rezept für alle gibt es deshalb nicht. Gefragt sind ganz individuelle Lösungen.

Der erste große Moment für die Start-ups: Dr. Jens Baas, Dr. Susanne Klein und Andreas Bündert verfolgen interessiert die Pitches.

 

Vom HIP zum Innovations-Ökosystem

In der anschließenden Diskussionsrunde wird unter anderem darüber gesprochen, was der TK-Accelerator eigentlich bringt. Hier sind sich die Teilnehmer einig: Sie wollen ein Netzwerk bilden, von dem sowohl die Start-ups als auch die TK profitieren, in dem sie voneinander und miteinander lernen. „Wir sind ein großes Ökosystem“, bringt es Organisatorin Ronja Kanitz aus dem TK-Versorgungsmanagement auf den Punkt. Auch der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der TK, Thomas Ballast, stimmt damit überein:

„Krankenkassen und Start-ups können viel voneinander lernen: Die TK will digitaler Marktführer sein, da kommt sie um die schnellen und dynamischen Start-ups nicht herum. Die Start-ups dagegen wollen schnellen Erfolg und kommen nicht ohne das Wissen und die Erfahrung der Krankenkassen aus.“

Mit diesen Worten geht ein spannender und aufregender Tag zu Ende. Ich verabschiede mich im HIP und fahre zurück nach Hause, mit den Gedanken noch bei den Start-ups. Auch wenn ihr Arbeitsalltag sicher nicht immer so bunt ist wie heute, finde ich es doch ziemlich beeindruckend, wie ihre kreativen Ideen zustande kommen und sich ihre Produkte weiterentwickeln. Eine eigene Idee müsste man haben…

 

Fotos: Andreas Friese


Weiterlesen:

Gründen, entwickeln, pitchen: Das verbirgt sich hinter der Start-up Förderung der TK.

Bitte gib mir nur ein Wort! – Start-up neolexon geht neue Wege in der Sprachtherapie.

Brille an, Phobie aus – Don’t Be Afraid VR nutzt Virtual Reality in der Angsttherapie.

Mecuris entwickelt Prothesen aus dem 3D-Drucker.


Tamara ist während der vorlesungsfreien Zeit in ihrem Master für drei Monate als Praktikantin in der Unternehmenskommunikation der TK. Zu ihren Hobbys zählen Fotografieren, Tanzen und Reiten.

 

 


 

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus den Sammlungen „#SmartHealth“, „Events“, „Presse und Politik“

    0

    Koalitionsverhandlungen: Jetzt ist Mut gefragt!

    Koalitionsverhandlungen: Jetzt ist Mut gefragt!

    17.10.2017

    Bis auf die Debatte über die Bezahlung von Pflegekräften spielte die Gesundheitspolitik im Wahlkampf praktisch keine Rolle – komplexe Themen wie die Finanzierung der GKV, die Digitalisierung im Gesundheitswesen oder die sektorenübergreifende Versorgung gelten nicht als sonderlich wahlkampftauglich, obwohl sie viele Millionen Menschen in Deutschland direkt betreffen. Umso wichtiger ist es, den Fokus in den anstehenden Koalitionsverhandlungen auf eben diese hochrelevanten Themen zu legen.

    Bis auf die Debatte über die Bezahlung von Pflegekräften spielte die Gesundheitspolitik im Wahlkampf praktisch keine Rolle – komplexe Themen wie die Finanzierung der GKV, die Digitalisierung im Gesundheitswesen oder die sektorenübergreifende Versorgung gelten nicht als sonderlich wahlkampftauglich, obwohl sie viele Millionen Menschen in Deutschland direkt betreffen. Umso wichtiger ist es, den Fokus in den anstehenden Koalitionsverhandlungen auf eben diese hochrelevanten Themen zu legen.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Darum gehört Medienkompetenz schon in die Kitas!

    Darum gehört Medienkompetenz schon in die Kitas!

    16.10.2017

    Die Freizeit, die Arbeitswelt oder der Gesundheitsmarkt - unsere Welt wird immer digitaler. Damit der Nachwuchs für die digitale Zukunft gewappnet ist, beginnt die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Mediennutzung mittlerweile schon im Kita-Alter. Als Unterstützer und Treiber des digitalen Fortschritts sowie langjährigem Förderer von Gesundheitsprävention hat es sich die TK deshalb nicht nehmen lassen, gemeinsam mit der Diakonie und dem Projekt "Netz mit Web-Fehlern" den Medienfachtag "Smart sein?! Mobile Alleskönner in Kita und Familie" in Bad Hersfeld zu veranstalten.

    Die Freizeit, die Arbeitswelt oder der Gesundheitsmarkt - unsere Welt wird immer digitaler. Damit der Nachwuchs für die digitale Zukunft gewappnet ist, beginnt die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Mediennutzung mittlerweile schon im Kita-Alter. Als Unterstützer und Treiber des digitalen Fortschritts sowie langjährigem Förderer von Gesundheitsprävention hat die TK gemeinsam mit der Diakonie und dem Projekt "Netz mit Web-Fehlern" den Medienfachtag "Smart sein?! Mobile Alleskönner in Kita und Familie" in Bad Hersfeld veranstaltet.

    Artikel jetzt lesen
    Innovationstag 2017
    0

    Der Innovationstag 2017

    Der Innovationstag 2017

    11.10.2017

    Barcamp meets Start-up-Pitch: Auf dem diesjährigen Innovationstag (7. November) stellen nicht nur drei Start-ups ihre Arbeit vor. Nach den Pitches können Gründer und Gesundheitsexperten zusammen eine Vision der digitalen Gesundheitsversorgung entwerfen - das Smart Health Ecosystem.

    Barcamp meets Start-up-Pitch: Auf dem diesjährigen Innovationstag stellen nicht nur drei Start-ups ihre Arbeit vor. Nach den Pitches können Gründer und Gesundheitsexperten zusammen eine Vision der digitalen Gesundheitsversorgung entwerfen - das Smart Health Ecosystem.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Der Innovationsreport 2017 – kein grünes Licht für neue Medikamente

    Der Innovationsreport 2017 - Kein grünes Licht für neue Medikamente

    09.10.2017

    Die Preise neuer Arzneimittel steigen - doch echte Innovationen bleiben aus. Das ist das Ergebnis des Innovationsreports 2017, den die TK gemeinsam mit der Universität Bremen herausgegeben hat. In diesem wird kritisch beurteilt, inwieweit neue Arzneimittel tatsächlich einen Fortschritt im Versorgungsalltag darstellen. Mit Tim Steimle, Leiter des Fachbereichs Arzneimittel bei der TK und einem der Herausgeber, Professor Dr. Gerd Glaeske, sprechen wir über die im Report untersuchten neuen Arzneimittel des Jahres 2014. Der zeitliche Abstand ermöglicht den Autoren, die Präparate fundierter zu bewerten.

    Die Preise neuer Arzneimittel steigen - doch echte Innovationen bleiben aus. Das ist das Ergebnis des Innovationsreports 2017, den die TK gemeinsam mit der Universität Bremen herausgegeben hat. In diesem wird kritisch beurteilt, inwieweit neue Arzneimittel tatsächlich einen Fortschritt im Versorgungsalltag darstellen.

    Artikel jetzt lesen
    Aufruf neolexon
    0

    Eltern von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen für Prototyp-Test in Hamburg gesucht

    Eltern von Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen gesucht

    04.10.2017

    Gemeinsam mit dem Start-up neolexon will die Techniker eine smarte Lösung für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen entwickeln.

    Gemeinsam mit dem Start-up neolexon will die Techniker eine smarte Lösung für Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen entwickeln.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Das erste Mal auf dem Gesundheitswirtschaftskongress

    Das erste Mal auf dem Gesundheitswirtschaftskongress

    28.09.2017

    Digitalisierung, Vernetzung und eine stärkere Fokussierung auf die Patienteninteressen - um diese Themen drehte sich der 13. Gesundheitswirtschaftskongress, der am 21. und 22. September 2017 im Grand Elysée-Hotel in Hamburg stattfand. Von der Veranstaltung berichtet unsere Hamburger Pressereferentin Luise Zink.

    Digitalisierung, Vernetzung und eine stärkere Fokussierung auf die Patienteninteressen - um diese Themen drehte sich der 13. Gesundheitswirtschaftskongress, der am 21. und 22. September 2017 im Grand Elysée-Hotel in Hamburg stattfand.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Migräne-Aura visualisieren: In fünf Tagen zum Prototypen

    Migräne-Aura visualisieren: In fünf Tagen zum Prototypen

    25.09.2017

    Was haben eine Industriedesign-Studentin, ein angehender Mediziner, ein junges Start-up und ein Student aus Russland gemeinsam? Sie alle interessieren sich für die Frage, wie man mithilfe digitaler Anwendungen die Sehstörungen bei Migräne-Anfällen (Aura) darstellen kann. Bei der Prototyping Week während der Digitalen Woche Kiel stellen die vier das E-Health-Team. Fünf Tage lang haben sie Zeit, einen Prototypen zu entwickeln – die TK steht den Teilnehmern als Mentor bei Fragen rund um das Thema digitale Gesundheit zur Seite.

    Was haben eine Industriedesign-Studentin, ein angehender Mediziner, ein junges Start-up und ein Student aus Russland gemeinsam? Sie alle interessieren sich für die Frage, wie man mithilfe digitaler Anwendungen die Sehstörungen bei Migräne-Anfällen (Aura) darstellen kann. Bei der Prototyping Week während der Digitalen Woche Kiel steht ihnen die TK als Mentor bei Fragen rund um das Thema digitale Gesundheit zur Seite.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Prothesen aus dem 3D-Drucker

    Prothesen aus dem 3D-Drucker

    07.09.2017

    Dieser Beitrag ist Teil des Start-up-Features von Wir Techniker im Rahmen des TK-Accelerators 2017. Unter zahlreichen Bewerbern wurde "Mecuris" als eines von drei jungen Unternehmen für das 100-tägige Mentoring-Programm ausgewählt.

    Dieser Beitrag ist Teil des Start-up-Features von Wir Techniker im Rahmen des TK-Accelerators 2017.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Zeit zum Anpacken: Der Kodier-Anreiz muss weg.

    Zeit zum Anpacken: Der Kodier-Anreiz muss weg.

    07.09.2017

    Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland stehen im direkten Wettbewerb zueinander. Ein komplizierter Mechanismus, genannt Morbi-RSA, ist für die Verteilung der Beitragsgelder aus dem Gesundheitsfonds verantwortlich und soll theoretisch für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen. Doch praktisch lohnt es sich für die Kassen mittlerweile mehr, das System zu beeinflussen statt die Versorgung zu verbessern. Dieser Fehlanreiz führt zu einer Unwucht, die die Existenz einiger Ersatzkassen bedroht.

    Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland stehen im direkten Wettbewerb zueinander. Ein komplizierter Mechanismus, genannt Morbi-RSA, ist für die Verteilung der Beitragsgelder aus dem Gesundheitsfonds verantwortlich und soll theoretisch für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen.

    Artikel jetzt lesen