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Fit für eSport?

22.10.2018

Um die 60 eingetragene Vereine, knapp drei Millionen Anhänger deutschlandweit und inzwischen sogar ein eigener Studiengang – eSport boomt in Deutschland. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und in ihrem Koalitionsvertrag erklärt, professionelles Gaming als offizielle Sportart anerkennen zu wollen.

Zocken als Sport? Das löst bei mir gemischte Gefühle aus. Einerseits kann ich persönlich die Anziehungskraft virtueller Welten absolut nachvollziehen – und zugegeben, auch auf mich üben sie einen Reiz aus. Schon jetzt ist die Virtual Reality-Technik so gut, dass ich direkt aus dem eigenen Wohnzimmer ferne Galaxien entdecken kann, so real, als würde ich das Raumschiff wirklich selbst steuern. Und eSport, wo gar Profis am Rechner gegeneinander antreten, hochfokussiert und unter enormem Zeitdruck gemeinsam komplexe Aufgaben lösen, fordert ohne Frage Geist und Körper.

Andererseits: Wenn immer mehr Menschen in die virtuellen Welten abtauchen, ist es an uns als Krankenkasse, die gesundheitlichen Aspekte des Trendsports in die Diskussion einzubringen. Das gilt gerade jetzt, da die Medien die aufstrebende Branche eSport zunehmend für sich entdecken und die Debatte darum auch die Politik erreicht hat.

Sportliche Werte gelten auch beim eSport

„eSport […] ist das sportwettkampfmäßige Spielen von Video- bzw. Computerspielen, insbesondere auf Computern und Konsolen, nach festgelegten Regeln.“ – so definiert der eSport-Bund Deutschland (ESBD) eSport in § 2 seiner Satzung.

Ob freizeitmäßiges Spielen oder ehrgeiziges Wetteifern im Breiten- oder Profisport: Hier kommt es nicht nur auf sportliche Werte wie Fair Play, Respekt und Teamfähigkeit an, sondern vor allem auf die Medienkompetenz der Spieler.

eSport braucht Medienkompetenz

Entscheidend ist, dass eSportler – wie praktisch jeder Mediennutzer heutzutage – lernen, mit Konsole, PC und Smartphone bewusst umzugehen. Dazu gehört, für einen sozialen, körperlichen und geistigen Ausgleich bewusste Pausen einzulegen.

Um gesund zu bleiben, ist es enorm wichtig, dass eSportler ihr Training mit physischer Aktivität ergänzen. Und natürlich sollte ihr soziales oder berufliches Leben nicht unter dem digitalen Zeitvertreib leiden. Gerade bei jüngeren Spielern ist hier auch die Medienkompetenz der Eltern gefragt. Durch ihren eigenen Medienkonsum wirken sie einerseits als Vorbild, als Erziehungsberechtigte entscheiden sie andererseits, welche Spiele „ins Haus kommen“ und wie oft gespielt wird.

„Ob bloß zum Spaß oder um Ranglistenplätze – wichtig ist, dass eSport stets ein Mittel zum Zweck bleibt, und nicht zum alleinigen Lebensmittelpunkt wird.“

Fitness und gesunde Ernährung beeinflussen Spielergebnisse

Leitlinien können dabei helfen, den Nachwuchs-eSportlern und Hobby-Gamern eine Orientierung zu geben. In Dänemark beispielsweise haben sich die professionellen Gamer einem eigenen eSport-Kodex verschrieben. Damit distanzieren sie sich von Betrug, Suchtverhalten und ungesunder Wettkampfnahrung wie Energiedrinks. Auch der eSport-Bund Deutschland hat eine erste Wertevorstellung erarbeitet und ihm Rahmen der Gamescom 2018 vorgestellt.

Überhaupt eignen sich Computerspiele-Messen und eSport-Wettkämpfe als guter Anknüpfungspunkt für Präventionsangebote. Fitness- und Reaktionstests, Ballspiele in den Pausen oder Stände mit gesunder Nervennahrung bringen Abwechslung in das Bermudadreieck von Bildschirm, gebanntem Blick und klickenden Fingern.

Körperliche Fitness und eine ausgewogene Ernährung beeinflussen die Leistung im eSport deutlich: Gute eSportler trainieren genauso viel offline wie online. Und der Spitzensport hat immer auch eine Signalwirkung für den Breitensport, die wir als Gesundheitspartner aktiv nutzen sollten.

Neuer Ansatz für Gesundheitsförderung

Ob offizielle Sportart oder nicht – durch die wachsende Begeisterung gerade junger Menschen für eSport, die ich persönlich absolut nachvollziehen kann, ist das Thema in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen. Ich halte nichts davon, eSport einseitig als „nerdigen“ Kellersport zu betrachten. Vielmehr brauchen wir eine Auseinandersetzung damit, wie eSport gesund betrieben werden kann – diese möchten wir als TK konstruktiv begleiten.


Weiterlesen:

Hier gibt es Traingstipps für eSportler.

Programmieren im Kindergarten? Darum gehört Medienkompetenz schon in die Kitas!

Always on: Ist die Generation Smartphone noch zu retten?

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