Nicole Knabe

„Wir wollen das eRezept in die breite Versorgung bringen“

Das elektronische Rezept kommt – zum Januar 2022 will das Gesundheitsministerium es verpflichtend einführen. Die TK ist schon einen Schritt weiter und sammelt seit 2019 Erfahrungen in einem eigenen Pilotprojekt.
Im Interview geben zwei TK-Mitarbeitende Einblicke in den Projektverlauf.

Vom Hamburger Pilotversuch mit einer Arztpraxis und zwei Apotheken zum bundesweit größten eRezept-Projekt – das ist eine beachtliche Entwicklung. Warum hat die TK das Thema eRezept so vorangetrieben?

Dr. Ghainsom Kom: In vielen Staaten Europas können Rezepte schon auf elektronischem Weg eingelöst werden. Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen das digitale Rezept noch nicht Teil der Regelversorgung ist. Mit unserem Projekt wollten wir die technische Umsetzbarkeit eines digitalen Rezepts beweisen. Gleichzeitig zeigen wir, wie sich die Prozesse für Versicherte, Ärzte und Apotheker vereinfachen lassen und erproben den Nutzen. Wir sind stolz darauf, dass die TK – jetzt auch gemeinsam mit anderen Kassen – auf diese Weise ein Wegbereiter für das eRezept in Deutschland ist.

Frank Herrmann: Die TK hat es sich schon früh zur Aufgabe gemacht, die klassische ärztliche Versorgung digital abzubilden. Lange bevor das ausschließliche Fernbehandlungsverbot im Oktober 2018 aufgehoben wurde, haben wir uns überlegt, wie wir den Versicherten eine moderne digitale Fernbehandlung anbieten können. Dabei war schnell klar, dass es nur dann eine vollwertige Behandlung ist, wenn wir auch die Krankschreibung und die Arzneimittelverordnung digitalisieren. Also fiel der Entschluss, das eRezept-Pilotprojekt sowie das TK-Projekt zur elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Rahmen der TK-OnlineSprechstunde zu verknüpfen.

Dr. Ghainsom Kom gehört zum Team Arzneimittel Distribution und betreut bei der TK unter anderem Innovationsfondsprojekte.

Lassen Sie uns auf die Projektentwicklung zurückblicken, was waren die großen Meilensteine?

Kom: Als das eRezept Lab Hamburg-Wandsbek im Mai 2019 an den Start ging, wollten wir Erfahrungen mit dem elektronischen Rezept sammeln. Alle Beteiligten waren sehr gespannt, welche Resonanz wir damit erzielen würden. Wie der Name schon sagt, war es zunächst regional auf den Hamburger Stadtteil Wandsbek begrenzt. Kooperationspartner waren das hiesige Diabetes Zentrum und die Privilegierte Adler Apotheke. Später kam noch eine weitere Apotheke dazu. Dass nur fünf Monate später die Entscheidung fiel, das Projekt auszuweiten und mit der Fernbehandlung zu kombinieren, ist eine große Bestätigung gewesen. Auch die große Resonanz der Versicherten, die sich in diesen ersten Monaten für das eRezept registrierten, sowie die rege Beteiligung der Apotheken waren tolle Signale.

Herrmann: Im Laufe des vergangenen Jahres stieg die Zahl der beteiligten Apotheken kontinuierlich und es traten weitere Krankenkassen dem Projekt bei. Dank der Kooperation mit zwei großen Herstellern von Praxissoftware-Lösungen können nun mehrere Zehntausend niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bei dem Projekt mitmachen und elektronische Rezepte ausstellen. Dadurch wurde aus dem eRezept der TK das bundesweit verfügbare „eRezept Deutschland“, das insgesamt rund 26 Millionen gesetzlich Versicherten zur Verfügung steht. Entscheidend ist nun, dass möglichst viele Ärzte mitmachen, sich also in das Projekt einschreiben. Denn nur so können jetzt schon viele Versicherte von den Vorteilen der digitalen Rezepte profitieren. Wir sind natürlich auch offen für weitere Partner.

Frank Herrmann arbeitet im Team Versorgungsmanagement. Er betreut unter anderem die TK-Doc-App.

Welche Herausforderungen musste das interdisziplinäre Team meistern?

Kom: Verschreibungspflichtige Medikamente in elektronischer Form abzugeben, ist ein komplexer Prozess. Mit Arzt, Patient, Apotheke und Krankenkasse sind vier Parteien daran beteiligt, die alle mit Erwartungen in das gemeinsame Vorhaben gegangen sind. All diesen unterschiedlichen Interessen gerecht zu werden und dafür zu sorgen, dass alle an einem Strang ziehen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Darüber hinaus ist es immer wieder spannend, die nächsten Schritte im Projekt anzugehen und so dem gemeinsamen Ziel Stück für Stück näher zu kommen, dass das elektronische Rezept in der breiten Versorgung ankommt.

Wie geht es mit dem „eRezept Deutschland“ jetzt weiter?

Herrmann: Wie schon angedeutet, ist jetzt wichtig, dass viele Ärzte, Versicherte und Apotheken beim „eRezept Deutschland“ mitmachen, damit alle Seiten profitieren. Darüber hinaus lässt sich des eRezept noch an mehreren Stellen verbessern. Zum Beispiel sehen die Versicherten bisher ihr Rezept als einen QR-Code in der TK-Doc-App. Künftig sollen sie aber die Rezeptdaten detailliert angezeigt bekommen, um über ihre Medikation Bescheid zu wissen. Auch die Kommunikation mit den Apotheken aus der App heraus soll für die Versicherten noch bequemer werden.

Das „eRezept Deutschland“ – so funktioniert es genau:

Alle Informationen zum „eRezept Deutschland“ – zu den beteiligten Kassen und den bisher teilnehmenden Ärzten und Apotheken – gibt es hier: https://www.das-erezept-deutschland.de/



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Laura Hassinger Laura Hassinger
Silvia Wirth Silvia Wirth

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