Laura Hassinger

Pflege nach der Bundestagswahl: Wie geht es weiter mit DiPA & Co.?

Knapp 20 Tage nach der Bundestagswahl haben wir auf dem Deutschen Pflegetag mit Gästen aus Politik und Versorgung über ihre Erwartungen für die kommende Wahlperiode diskutiert – vor allem im Hinblick auf die Einführung digitaler Pflegeanwendungen.

Erneut pandemiebedingt verschoben, fiel der Deutsche Pflegetag 2021 in die spannende Zeit der Sondierungsgespräche für die neue Legislatur des Bundestags. In Vorträgen und Diskussionen legten Pflegeexpertinnen und -experten der potenziellen Regierungsparteien dar, wie sie die Digitalisierung in der Pflege vorantreiben wollen, unter anderem mit den sogenannten Digitalen Pflegeanwendungen, kurz DiPA. Dabei handelt es sich um Apps oder browserbasierte Anwendungen, die von Pflegebedürftigen selbstständig oder in der Interaktion mit Angehörigen und ambulanten Pflegeeinrichtungen genutzt werden können, um den eigenen Gesundheitszustand zu stabilisieren oder zu verbessern, aber auch um Pflegende zu entlasten.

TK-Experte Andreas Häfferer eröffnet die Veranstaltung mit seinem Impuls zur Frage "Wie geht es weiter mit DiPA & Co.?".

Digitale Helfer nutzen, um Pflegelast zu mindern

Andreas Häfferer, Leiter des Bereichs Versorgungssteuerung in der TK, nutzte den Pflegetag, um gemeinsam mit Dr. Anne Sophie Geier vom Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung e. V., Gernot Kiefer vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen und Kordula Schulz-Asche, Grünen-Abgeordnete im Bundestag, über die Chancen und Risiken sowie die notwendigen Rahmenbedingungen zu diskutieren.

Grundlegend einig waren sich die Vier darin, dass digitale Pflegelösungen wie die DiPA ein geeignetes Mittel sind, um die Pflegesituation für alle Beteiligten zu erleichtern. Sie können Pflegebedürftige körperlich und geistig aktivieren, sie im Alltag begleiten und in der Kommunikation unterstützen, aber auch organisatorische Aufgaben in der Pflege vereinfachen, so Häfferer.

Perspektive der Pflegenden und Gepflegten stärker einbinden

Damit das gelingt, solle sich die Zulassung der DiPA an der pflegerischen Praxis orientieren – „Nur so viel Evidenz wie nötig“, forderte Geier, denn: „Wir brauchen die neuen Lösungen jetzt!“ Kiefer widersprach und warb dafür, den Nutzennachweis nicht auf ein Minimum festzulegen, sondern im Interesse der DiPA-Nutzerinnen und -Nutzer „so viel Evidenz wie möglich“ im Zulassungsprozess der Anwendungen zu generieren.

Schulz-Asche holte noch weiter aus und betonte, wie wichtig der Praxisbezug schon in der Entwicklung der DiPA sei. Sie forderte, Pflegende und Gepflegte von Anfang an stärker einzubeziehen und vor allem das Fachwissen der professionellen Pflegekräfte für die Gestaltung digitaler Pflegelösungen zu nutzen.

Dass DiPA keineswegs nur von hippen jungen Startups entwickelt werden, sondern oft mit persönlichen Bezügen zur Pflege, stellte Geier klar. Sie stimmte aber zu, dass der Austausch mit denjenigen, „die am nächsten dran sind“, absolut notwendig und hilfreich sei.

Ohne digitale Lösungen haben wir angesichts des demografischen Wandels keine Chance, gute Pflege sicherzustellen.

Kordula Schulz-Asche, MdB, Bündnis 90/DIe Grünen

Am Stand der TK stellten die Kolleginnen und Kollegen die Angebote der TK rund um das Thema digitale Pflege vor.

Austausch und Gesundheitskompetenz fördern

Welche guten Erfahrungen die TK hiermit gemacht hat, konnte Häfferer berichten. So wurden Pflegebedürftige und Angehörige aktiv an der Entwicklung der App „TK-PflegeKompakt“ beteiligt. Entsprechend der erfragten Bedürfnisse fasst die Anwendung wichtige Informationen rund um das Thema Pflege zusammen und erklärt vom Antrag bis zum Leistungsbeginn Schritt für Schritt, was zu beachten ist. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, den Antrag auf Pflegeleistungen direkt online über die App zu stellen oder mittels einer bundesweiten Pflegekurssuche passende Angebote in der Nähe zu finden.

Auch nach der Entwicklungsphase sollte der direkte Draht und enge Austausch zwischen Anbieterinnen und Anbietern und Nutzenden von DiPA aufrechterhalten werden, da waren sich die Diskutierenden einig. Schulz-Asche sprach sich dafür aus, Pflegebedürftige und ihre Angehörigen intensiver in ihrer Gesundheitskompetenz zu stärken, um sie für den Umgang mit den DiPA fit zu machen. Aber auch professionelle Pflegekräfte müssten in Aus- und Weiterbildungen lernen, digitale Pflegelösungen sinnvoll einzusetzen. Denn, so Schulz-Asche: „Ohne digitale Lösungen haben wir angesichts des demografischen Wandels keine Chance, gute Pflege sicherzustellen.“


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