Alle Artikel > Gesundheit vs. Sondierungspapier: Nur die Spitze des Eisbergs

Gesundheit vs. Sondierungspapier: Nur die Spitze des Eisbergs

22.01.2018

Die SPD hat bei ihrem Sonderparteitag grünes Licht für Koalitionsverhandlungen mit der Union gegeben. Diese müssen die Koalitionäre nutzen, um endlich die gesundheitspolitische Zwangspause zu beenden.

Gesundheitsthemen sind schon allein deshalb hochrelevant, weil die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung über 72 Millionen Menschen versorgt. Die aktuell konjunkturbedingt stabile Finanzsituation der GKV bedeutet nicht, dass die nächste Bundesregierung sich auf diesem Feld entspannt zurücklehnen kann. Ganz im Gegenteil: Die im Sondierungspapier festgehaltenen Pläne für ein Sofortprogramm Pflege und die Ansätze in Richtung sektorübergreifende Versorgung sind nur die Spitze des Eisbergs notwendiger Reformen.

Roadmap in die digitale Jetztzeit

Zentrale Fragen für die Zukunftssicherheit unseres Gesundheitssystems bleiben bislang unbeantwortet. Wie lässt sich beispielsweise die Schieflage im Wettbewerb  der GKV begradigen? Was vor allem fehlt: eine Roadmap für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Es liegt nun an den Mitgliedern der Arbeitsgruppe Gesundheit und Pflege, diese Lücken im Rahmen der Koalitionsgespräche zu schließen.

Vor dem Hintergrund, dass „Digitales“ derzeit in aller Munde ist, erstaunt es doch, dass konkrete Aussagen zur Digitalisierung des Gesundheitswesens im Sondierungspapier komplett fehlen. Dabei wäre gerade dort die Politik gefragt, um Hindernisse zu beseitigen, hohe Datenschutzstandards zu etablieren und einheitliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Insellösungen kultiviert werden, die den Wettbewerb und die Innovation behindern.

Die Zeit drängt. Schon heute gehört das deutsche Gesundheitssystem nicht gerade zu den digitalen ‚early adopters‘. Ein unumgänglicher Schritt – nicht in die digitale Zukunft, sondern in die digitale Jetztzeit – ist das verpflichtende Angebot einer elektronischen Gesundheitsakte (eGA) für alle Kassen. Diese ermöglicht Versicherten, die eigenen Gesundheitsdaten digital zu verwalten – unter der Prämisse: Der Versicherte ist Herr seiner Daten. Die eGA wäre ein Meilenstein in Sachen sicherer und versichertenbestimmter Datenaustausch im Gesundheitswesen, der die gängige „Zettelwirtschaft“ endlich ablöst.

Längst überfällig ist auch eine Liberalisierung des Fernbehandlungsverbots: Telemedizin kann helfen, Defizite bei Über- und Unterversorgung auszugleichen – etwa wenn in strukturschwachen Regionen Fachärzte fehlen oder von Versicherten nur nach langer Anfahrt erreichbar sind.

Auch im Bereich Pflege kann die Digitalisierung Antwort auf künftige Herausforderungen sein – wenn die Politik jetzt die Weichen stellt. Wie beispielsweise Smart-Home-Lösungen dazu beitragen könnten, Pflegebedürftigen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, hat die TK bereits aufgezeigt.

Angesichts dieser Aufgaben blicken wir als TK gespannt auf den weiteren Weg zu einer Koalition.


Weiterlesen:

Zu den Koalitionsverhandlungen: Alle gesundheitspolitischen Forderungen der TK im Überblick

TK-Chef Dr. Jens Baas zu den Koalitionsverhandlungen: Jetzt ist Mut gefragt!

Bürgerversicherung: Schreckgespenst oder echte Alternative?

Kommentieren Sie als Erster diesen Artikel

    Weitere Artikel aus der Sammlung „Presse und Politik“

    0

    Morbi-RSA: Sechs Mythen im Faktencheck

    Morbi-RSA-Mythen im Faktencheck

    15.01.2019

    Die Gestaltung des Morbi-RSA ist komplex. Unstrittig ist, dass Kassen für schwer kranke Versicherte einen Ausgleich erhalten sollen – ebenso...

    Die Gestaltung des Morbi-RSA ist komplex. Unstrittig ist, dass Kassen für schwer kranke Versicherte einen Ausgleich erhalten sollen – ebenso...

    Artikel jetzt lesen
    0

    Burnout-Gefahr im Studium – vor allem bei Geisteswissenschaftlern

    Burnout-Gefahr im Studium

    08.01.2019

    Viele Studierende klagen über hohen Stress - in zahlreichen Fällen zeigen sich bereits Anzeichen für ein Burnout. Stu­den­ti­sches Ge­sund­heits­ma­nage­ment wird deshalb immer wichtiger.

    Viele Studierende klagen über hohen Stress - in zahlreichen Fällen zeigen sich bereits Anzeichen für ein Burnout. Stu­den­ti­sches Ge­sund­heits­ma­nage­ment wird deshalb immer wichtiger.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Investitionsstau auf dem Klinikflur – das sagen Selbstverwalter dazu

    Investitionsstau auf dem Klinikflur - das sagen Selbstverwalter dazu

    14.12.2018

    Joachim Feldmann ist Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der TK und Mitglied des Finanzausschusses. Im Interview erläutert er, warum das Gremium den Umgang mit GKV-Geldern im Krankenhaus kritisch sieht.

    Joachim Feldmann ist Arbeitgebervertreter im Verwaltungsrat der TK. Im Interview erläutert er, warum das Gremium den Umgang mit GKV-Geldern im Krankenhaus kritisch sieht.

    Artikel jetzt lesen
    1

    TK-Safe: „Jeder hat seinen persönlichen Schlüssel“

    "Jeder hat seinen persönlichen Schlüssel"

    05.12.2018

    Digitale Gesundheitsakten waren das große Thema bei der TK-Fachveranstaltung #Bremengoesdigital. Zentraler Punkt dabei: der Datenschutz. Wir haben Ronald Fritz, Executive IT-Architekt von IBM Deutschland, zu unserer Zusammenarbeit bei TK-Safe befragt. Und zu seinem persönlichen Gesundheitsmanagement.

    Digitale Gesundheitsakten waren das große Thema bei der TK-Fachveranstaltung #Bremengoesdigital. Zentraler Punkt dabei: der Datenschutz. Wir haben Ronald Fritz, Executive IT-Architekt von IBM Deutschland, zu unserer Zusammenarbeit bei TK-Safe befragt. Und zu seinem persönlichen Gesundheitsmanagement.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Herr Baas, macht Künstliche Intelligenz Ärzte in Zukunft überflüssig?

    Macht KI Ärzte in Zukunft überflüssig?

    28.11.2018

    Das Gesundheitswesen steht vor einer Revolution: In keiner anderen Branche sind die Erwartungen an Künstliche Intelligenz (KI) so hoch wie in der Medizin. TK-Chef Dr. Jens Baas über die medizinische Versorgung der Zukunft.

    In keiner anderen Branche sind die Erwartungen an Künstliche Intelligenz so hoch wie in der Medizin. TK-Chef Dr. Jens Baas über die medizinische Versorgung der Zukunft.

    Artikel jetzt lesen
    0

    MEDICA ECON FORUM 2018: Das sind die Top-Themen

    MEDICA ECON FORUM 2018: Das sind die Top-Themen

    12.11.2018

    Bereits zum 7. Mal lädt die TK im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse zum MEDICA ECON FORUM. Spannende Diskussionen und Vorträge drehen sich um neue Trends im Gesundheitswesen. Hier gibt es die wichtigsten Themen im Überblick.

    Bereits zum 7. Mal lädt die TK im Rahmen der weltgrößten Medizinmesse zum MEDICA ECON FORUM. Hier gibt es die wichtigsten Themen im Überblick.

    Artikel jetzt lesen
    1

    Brennpunkt Pflege: „Wir müssen möglichst früh ansetzen“

    Brennpunkt Pflege: "Möglichst früh ansetzen"

    08.11.2018

    Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, spricht anlässlich der Berliner Pflegekonferenz über PPSG, Finanzierbarkeit und mögliche Lösungen für die Zukunft der Pflege.

    Thomas Ballast, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK, spricht anlässlich der Berliner Pflegekonferenz über PPSG, Finanzierbarkeit und mögliche Lösungen für die Zukunft der Pflege.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Demenz: Krankheit ohne Heilung?

    Demenz: Krankheit ohne Heilung?

    25.10.2018

    1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz. Noch immer gilt die Krankheit als unheilbar - wirksame Medikamente gibt es bislang nicht. Grund genug, sich mit dieser Thematik genauer zu beschäftigten und die Versorgung von Betroffenen zu diskutieren.

    1,7 Millionen Menschen in Deutschland leben mit Demenz. Noch immer gilt die Krankheit als unheilbar - wirksame Medikamente gibt es bislang nicht. Grund genug, die Versorgung von Betroffenen zu diskutieren.

    Artikel jetzt lesen
    0

    Fit für eSport?

    Fit für eSport?

    22.10.2018

    Um die 60 eingetragene Vereine, knapp drei Millionen Anhänger deutschlandweit und inzwischen sogar ein eigener Studiengang - eSport boomt in Deutschland. Das hat auch die Bundesregierung erkannt und in ihrem Koalitionsvertrag erklärt, professionelles Gaming als offizielle Sportart anerkennen zu wollen.

    Um die 60 eingetragene Vereine, knapp drei Millionen Anhänger deutschlandweit und inzwischen sogar ein eigener Studiengang - eSport boomt in Deutschland.

    Artikel jetzt lesen